Sparen, Kaputtsparen und vernünftig wirtschaften

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RS2010
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Sparen, Kaputtsparen und vernünftig wirtschaften

Beitrag von RS2010 » So., 5. Aug 2012, 17:09

Sparen heißt von seinen (echten) Einnahmen Rücklagen bilden, oft spricht man vereinfacht kurz und bündig auch von Konsumverzicht (Duden Bedeutungswörterbuch, Bank Lexikon, Wikipedia, Duden Wirtschaft, Wirtschaftslexikon (Cornelsen), Vahlens Großes Wirtschaftslexikon)*.

Einführung in das Problemfeld: Im Zeichen der Finanz- und vielfachen Schuldenkrisen und ihrer Bewältigung stellt man fest, dass immer wieder der Begriff "sparen" völlig falsch verwendet wird. Oft wird - gänzlich abwegig - "sparen" als weniger (neue) Schulden machen verstanden und kritisiert. Dahinter stecken natürlich meist politische Absichten. Das zeigt sich besonders an dem populistischen Kampfbegriff "kaputtsparen", wenn etwa behauptet wird, gerade jetzt in der Krise sei Sparen das Falscheste, was man machen könne. Das führe nur noch tiefer in die Krise. Hier wird nicht selten verlegen, manchmal dreist, fast immer aber absichtsvoll unterschlagen, dass weniger Schulden machen mit dem Begriff des Sparens gar nichts zu tun hat. Sparen kann man nur von dem, was man hat. Wer aber meint, (neue) Schulden machen zu müssen, der hat ja gar nicht genug, sonst würde er ja nicht (neue) Schulden machen. Meist wird auch nicht zwischen den drei wichtigsten Haushaltstypen (Staat, Wirtschaft, Privathaushalte) unterschieden und in der Argumentation werden die Ebenen durcheinandergebracht. Es ist natürlich ein grundlegender Unterschied, ob man "Investitionen" tätigt, die auf Dauer nur kosten und nichts einbringen, wie öfter beim Staat (> Adam Smith), oder ob jemand sein Haus mit einem Kredit finanziert, dem nicht nur ein sicherer und angemessener Wert gegenübersteht, sondern der auch meist nach einem Plan in z.B. 12, 18, 20, 30 Jahren getilgt wird.

Hauptergebnis: Hinter dem fortgesetzten neuen Schuldenmachen - in Deutschland ununterbrochen seit 1950 - (> Therapie) steckt ein grundsätzlich falsches Verständnis von einer soliden staatlichen Haushaltspolitik. In der Geschichte der Staatsfinanzierung ist seit Jahrhunderten fast nie umsichtig und verantwortlich gewirtschaftet oder gar gespart, geschweige denn getilgt worden*. Das selbstverständliche und jedermensch einsichtige Grundprinzip, dass man auf Dauer nicht mehr ausgeben kann als man einnimmt, und dass man in guten Zeiten Rücklagen bilden muss für schlechte, ist weder in der Wissenschaft, Nationalökonomie, Finanzwirtschaft, höheren Justiz oder gar bei den PolitikerInnen und auch nicht in der Bevölkerung und bei den WählerInnen verankert (wie der Herr so's G'scherr und umgekehrt). Buchhalterisch kommt diese Fehlhaltung auch schon darin zum Ausdruck, dass Kredite, also Schulden, auf der Einnahmeseite verbucht werden und damit haushaltspsychologisch ein ganz falsches Signal setzen. Schulden werden so als selbstverständliche Staatseinnahme verstanden, was die Motivation schuldenfrei und umsichtig zu wirtschaften, natürlich nicht fördert. Klaren Blickes kann die Schuldenbremse auch nur ein allererster Schritt sein, um die exponentielle Katastrophe hinauszuzögern, um Zeit zu gewinnen. Ziel kann auch nicht nur ein ausgeglichener Haushalt sein, davon lässt sich nämlich nichts tilgen, sondern es ist grundsätzlich im Mittel und auf lange Sicht ein Haushalt mit Rücklagen zur Tilgung, für besondere Projekte (z.B. Bürgerversicherung, Grundeinkommen) oder für Anschübe in schlechten Zeiten zu bilden. Die Casino- und Zockermentalität muss unterbunden, wenigstens aber schärfstens reguliert, am besten nach Plutokratia (Steueroasen) outgesourct werden, wie das Aristoteles schon forderte. Man muss das Schattenbanksystem von der echten Gesellschaft und realen Wirtschaft streng abschirmen und abkoppeln. Die Zocker mögen unter sich ihre Spiele veranstalten.

Staatshaushaltgleichung der Vernunft: E = A + R mit E := Einnahmen, A := Ausgaben und R := Rücklagen für schlechte Zeiten, Großinvestitionen der Zukunft (z.B. Bürgerversicherung, Grundeinkommen) und Schuldentilgung. Anmerkung: Staaten würden sich mit diesem Hauhaltskonzept der Verantwortung, Vernunft und Sicherheit langfristig weitestgehend unabhängig von den Kapitalmärkten machen.

Rudolf Sponsel


*Linkbelege und mehr:
http://www.sgipt.org/politpsy/finanz/HhR/SpHhWi.htm

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